Die Bundestagswahl 2025 war ein bitterer Schlag für die Freien Demokraten und den
Liberalismus als solchen – damit auch für die Jungen Liberalen. Das historisch
schlechteste Ergebnis verlangt nach konsequenter Aufarbeitung und verpflichtet
uns, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Als Junge Liberale verstehen wir uns als struk-
tureller und programmatischer Motor der FDP. Wir haben den Anspruch an uns
selbst, die FDP weiterzuentwickeln und zukunftsfähig zu machen – programmatisch,
strukturell und personell. Deshalb haben wir folgende Wahlanalyse erarbeitet und
fordern die unten stehenden Konsequenzen.
1. Wahlanalyse
2021 war ein Jahr des Aufbruchs. Nach langen Jahren des politischen Stillstandes
ausgelöst durch die Union, konnte gerade auch die FDP mit einem optimistischen, pro-
gressiven und klaren liberalen Programm ein starkes Ergebnis erzielen – insbeson-
dere bei den Erstwählern. Der Koalitionsvertrag war für die FDP ein Erfolg. Er wurde
als „gelbe Seiten“ betitelt. In der Koalition konnte die FDP wichtige Wahlversprechen –
keine Steuererhöhungen, zukunftsfähige Staatsfinanzen, bessere Bildungspolitik,
Selbstbestimmungsgesetz, Cannabisentkriminalisierung, verstärkte Staatsdigitali-
sierung, Bürokratieentlastung, umfassendere Klimapolitik – für eine liberalere Ge-
sellschaft umsetzen. Gleichzeitig waren und sind die grundlegenden philosophischen
Vorstellungen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft und deren Verhältnis unterei-
nander höchst verschieden. Die Arbeit in der Koalition war deshalb nicht einfach. Ins-
besondere gelang des dadurch nicht, die erzielten Erfolge hervorzuheben. Deshalb
sanken die Umfragewerte für die FDP in der Koalitionszeit deutlich.
Das Beenden der Koalition war vertretbar. Die Verantwortlichen Personen der koa-
lierenden Parteien konnten nicht mehr konstruktiv zusammenarbeiten, ein großer
Teil der Gemeinsamkeiten war aufgebraucht. Das D-Day-Papier und der Umgang da-
mit war indes für eine liberale Partei unwürdig. Nachdem wir uns schon in der Koali-
tion wenig kompromiss- und damit regierungsfähig gezeigt haben, haben wir dadurch
bedeutend – und zurecht – an Vertrauen verloren.
Der Bundestagswahlkampf ist nicht gelungen. Die FDP fokussierte sich auf Wirt-
schafts- und Migrationspolitik. So wichtig und richtig die Positionen der FDP dabei sein
mögen, so wenig spiegeln sie die Bandbreite des Liberalismus wieder. Deshalb hat die
FDP wertvolle Wählergruppen verloren. Die FDP war dann – zurecht – erfolgreich,
wenn sie nicht monothematisch aufgetreten ist und sich geradezu inhaltlich verarmt
hat, sondern wenn sie ihr liberales Welt- und Menschenbild aufzeigte und mit konkre-
ten, breitgefächerten Forderungen verknüpft hat. Das zeigen die Wahlkämpfe 2017
und 2021. Wir setzen uns dafür ein, dass die FDP wieder eine Partei wird, die genau
dafür steht. Was wir unter einem liberalen Menschenbild verstehen, möchten wir
deshalb aufzeigen.
Den Wahlkampf im Wahlkreis 223 und damit in den Landkreisen Starnberg und Lands-
berg mit dem Kandidaten Paul Friedrich halten wir dagegen für gelungen. Er verkör-
pert und vertritt unser sogleich aufzuzeigendes Welt- und Menschenbild und hat ei-
nen Wahlkampf organisiert, der die Bandbreite des Liberalismus wiederspiegelt. Da-
mit gelang ein überdurchschnittliches Ergebnis, welches abermals für eine liberale
FDP ohne inhaltliche Verengungen spricht.
2. Unser Welt- und Menschenbild
a) Freiheit als Fundament
Als Liberale sind wir die Kraft der Freiheit. Wir setzen uns dafür ein, den Einzelnen von
Zwang, Verpflichtungen und Einschränkungen in seine Grundrechte frei zu halten. Von
Anfang an betonen wir gleichwohl, dass die Freiheit des Einzelnen dort endet, wo die
des anderen beginnt. Hieraus leiten sich für uns die liberalen Kernwerte von Individu-
alismus und Verantwortung, einer toleranten Gesellschaft mit spontaner Ordnung,
Staatsskeptizismus und Rechtstaatlichkeit sowie Freiheitsbefähigung ab.
b) Der Wert des Individualismus
Wir sind davon überzeugt: Der einzelne Mensch ist klug und gut. Im Gegensatz zu Kon-
servativen und Linken möchten wir ihn nicht belehren und bewachen, sondern ver-
trauen ihm und trauen ihm etwas zu. Als Liberale sind wir demütig. Denn wir erheben
von uns nicht den Anspruch, es besser zu wissen und besser zu können. Vielmehr wis-
sen wir: Ein jeder weiß selbst am besten, wie er sein Leben führen möchte und ist
dafür fähig. Wir möchten ihm ermöglichen, Architekt des eigenen Lebens zu sein. Da-
für ist es für uns essentiell, dass der Einzelne Inhaber unverfügbarer Menschen-
rechte ist, mithin von dem Recht, Rechte zu haben und damit über die Freiheit zu ver-
fügen, frei zu sein. Nicht der Einzelne erhält Rechte von Staat und Gesellschaft ge-
währt, vielmehr hat er sie von Natur aus. Der Staat und die Gesellschaft haben sie zu
respektieren.
c) Für eine tolerante Gesellschaft und die spontane Ordnung
Daraus folgt für uns insbesondere das Versprechen nach einer toleranten Gesell-
schaft. Wir möchten es jedem Einzelnen ermöglichen, frei und nach seiner Façon zu
leben. Dafür ist es notwendig, dass wir als Gesellschaft die Vielzahl der Lebensweisen
tolerieren und akzeptieren. Dies gilt privat wie wirtschaftlich. Es gehört deshalb zu
unserem Selbstverständnis, in keiner denkbaren Dimension planerische Vorgaben zu
machen, sondern dem Wirken der Individuen möglichst freien Lauf zu lassen. Wir set-
zen uns für die spontane Ordnung ein.
In diesem Zusammenhang plädieren wir auch für das Konzept der Staatsbürgerna-
tion. Ein jeder, unabhängig von Herkunft, geschlechtlicher Identität, Religion etc. muss
die Möglichkeit haben, deutscher Staatsbürger zu werden. Voraussetzung darf nur
das Bekenntnis zu unseren im Grundgesetz verankerten Werten sein. Etwaige ethni-
sche oder kulturelle Begebenheiten zu berücksichtigen, wäre hochgradig illiberal und
verstieße gegen unsere Werte einer offenen und toleranten Gesellschaft sowie der
spontanen Ordnung.
d) Für die Kraft des Einzelnen und seine Initiative
Während andere für die Lösung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Herausfor-
derungen nach dem Staat rufen, so sind wir davon überzeugt, dass die Kraft des Ein-
zelnen erfolgsversprechender ist und der Staat oftmals vielmehr Teil des Problems
ist. Wir sehen uns als die einzigen demokratischen „Anti-Etatisten“. Ohne den Staat in
Frage zu stellen, so stehen wir ihm doch kritisch gegenüber und setzen uns dafür ein,
seine Macht zu begrenzen. Wir setzen uns dafür ein: So viel Staat wie nötig, so wenig
wie möglich. Denn wir wissen: Nur wenn der Staat klein ist, kann der Einzelne seine
Größe entfalten. Eine demokratische und rechtstaatliche Staatsordnung ist für uns
damit Grundvoraussetzung für eine liberale Lebensweise.
e) Freiheit heißt Verantwortung
Gleichzeitig folgt für uns aus der Annahme, die Kraft des Einzelnen ist vielverspre-
chender als die des Staates, dass ein jeder in unserer Gesellschaft Verantwortung
übernehmen muss. Mithin kann ein Staat nur schlank sein, wenn eine Gesellschaft
stark ist. Private Initiative, ob privatwirtschaftlich oder ehrenamtlich ist deshalb die
fundamentalste Tugend eines Liberalen.
f) Befähigung zur Freiheit
Zudem wissen wir auch: Nur mit der Abwesenheit von Zwang, mithin negativer Frei-
heit, kann sich der Einzelne nicht entfalten. Vielmehr müssen wir ihn befähigen, sich
selbst verwirklichen zu können.
3. Was heißt das konkret?
Daraus folgt für uns: Die FDP ist nicht „die Wirtschaftspartei“, vielmehr ist ihr – zu-
recht – klares Bekenntnis zur sozialen und ökologischen Marktwirtschaft eine Aus-
prägung ihrer liberalen Gesinnung unter vielen.
Wir setzen uns deshalb für eine FDP ein, die sich auf folgende Inhalte kon-
zentriert: Soziale und ökologische Marktwirtschaft, beste Bildung, liberales
Aufstiegsversprechen, Freiheit und Menschenrechte weltweit, persönliche
Selbstbestimmung und eine offene und tolerante Gesellschaft sowie einen
schlanken und modernen Staat.
Wir setzen uns dabei für eine FDP ein, die klare liberale Positionen bekennt, ohne sich
in Bindestrich-Liberalismen zu verengen und erst recht für eine FDP, die sich nicht
dem Konservatismus zuneigt. Eine liberal-konservative Ausrichtung ist aus unserer
Sicht nicht erfolgsversprechend und ein Widerspruch in sich.
Unsere FDP ist dabei optimistisch, mutig, empathisch, weltoffen, europäisch und lö-
sungsorientiert. Unsere FDP ist dabei vielfältig und divers in ihrem Vorstandsteam
und Kandidatenfeld. Unsere FDP fördert junge und weibliche Mitglieder.
4. Unser Verhältnis zu anderen Parteien
Als Liberale definieren wir uns nicht über den Abstand zu anderen Parteien, sondern
begreifen die FDP als eigenständige politische Kraft – als die Inkarnation der Kraft
der Mitte. Das bedeutet für uns, dass wir genauso wenig Annex der Union sind, wie
wir es von Grünen oder SPD sind. Wichtig für unser Selbstverständnis ist, dass wir
nicht der Wirtschaftsarbeitskreis der Union sind. Die Union ist nicht unser natürli-
cher Koalitionspartner. Vielmehr gehören alle Parteien der demokratischen Mitte zu
unseren Kooperationspartnern.
Die Zusammenarbeit mit AfD und Linke schließen wir jedoch aus. Die Linke forciert eine
sozialistische Gesellschaft, die die Freiheit des Einzelnen nicht anerkennt. Die AfD ver-
folgt eine völkische Ideologie, setzt das Kollektiv über den Einzelnen und schränkt
seine Freiheit, ob wirtschaftlich wie persönlich, unvertretbar ein. Ihr Weltbild ist mit
der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unseres Grundgesetzes und insbe-
sondere unseren liberalen Idealen nicht vereinbar. Etwaige Behauptungen, als Libe-
rale hätten wir inhaltliche Gemeinsamkeiten mit der AfD, sind falsch. Wer die AfD für
wählbar hält, kann kein Liberaler sein.